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Diese
Geschichte erzählt von Sammy, einer Ringeltaube. Ich sehe
die Gesichter etlicher Stadt- und Landbewohner schon vor
mir. Eine Geschichte über eine Ringeltaube, wo diese
„Viecher“ meist sehr unbeliebt sind!
Sie
verschandeln die Dächer und Denkmäler, außerdem naschen sie
in großen Gruppen die frische Saat von den Feldern.
Sehr
ärgerlich! Findet ihr nicht auch?! |
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Doch
unsere Sammy war etwas ganz Besonderes! Sie schaffte es aus
dem Nest zu fallen oder geworfen zu werden, an unseren vier
Katzen vorbei zu schleichen, um dann von uns auf der
Terrasse gefunden zu werden.
So
eine kleine, noch mit gelb-grauen Flaumfedern und einem
krummen Schnabel ausgestattete Taube hatte es verdient eine
Chance zu bekommen.
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Es
war ein warmer sonniger Tag, als Silja, meine Tochter, die
kleine Taube auf der Terrasse fand. Das heißt, eigentlich
wurde sie von Piri (einer unserer Katzen) gefunden. Sie
schlich herum und ihre Schwanzspitze schlug heftig. Silja
schaute nach, was unsere Katze interessantes gefunden hatte
und schnappte ihr das kleine Tier vor der Nase weg.
„Mama, guck mal. Die ist so süß.“ Naja, über Geschmack lässt
sich bekanntlich nicht streiten. Ich wollte diesmal nicht
wieder ständig füttern und mir die Nächte um die Ohren
schlagen. Irgendwann reichte es selbst mir!
Silja
nahm das Vogelküken und sagte: „Ich schaffe das schon, wenn
du mich nur ein bisschen unterstützt.“ Darauf ließ ich mich
ein, denn ich weiß, dass meine Töchter zu ihrem Wort stehen.
Silja
musste die kleine Taube vier bis fünf Mal am Tag füttern.
Ihr glaubt gar nicht, wie schnell so ein Tag vergeht! Gott
sei Dank war mal wieder Ferienzeit. Morgens um 4.30 Uhr
„durfte“ sie aufstehen und abends gegen 23.00 Uhr war die
letzte Fütterung! In den ersten drei Tagen wurde die Taube
mit gemahlenen eingeweichten Körnern und Aufzuchtfutter
gefüttert.
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Das
war eine große Schweinerei. Wenn man das Futter nicht tief
genug in den Schnabel steckte, schüttelte die Taube den Kopf
und der ganze Brei flog uns um die Ohren.
Wir
stellten die Taube unserem Tierarzt vor, um sicherzugehen,
dass sie nicht krank war. Unter anderem wohnen bei uns auch
zwei Graupapageien, die sich nicht mit irgendeiner Krankheit
anstecken sollten.
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Die
behandelnde Tierärztin erklärte, dass man
Tauben sehr gut mit Katzentrockenfutter aufziehen könnte.
Mensch, war das eine Erleichterung! Keine herum fliegende
Matsche mehr! Die Bröckchen konnte man viel besser in den
Schnabel stecken! Und wie es Sammy schmeckte! Ein Bröckchen
nach dem anderen verschwand im Schnabel. Danach bekam sie
Wasser mit einer Spritze (ohne Nadel) in
den
Schnabel. Fertig! Nach ungefähr einer Woche waren die
letzten Reste der anfänglichen Fütterung aus dem Federkleid
verschwunden.
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Siljas Sommerferien gestalteten sich „federleicht“.
Nmmmmkllllllllllllllllj (Ihr lest richtig! Das hat gerade
unser Kater Karlchen zum Buch beigetragen, indem er kurz
über die Tastatur „schwebte“. In unserer Familie hat jeder
eine eigene Meinung).
Jetzt
wieder zu den Sommerferien. Silja besuchte Freundinnen,
Freundinnen besuchten Silja. Sammy war immer dabei!
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Ob
beim Fern sehen oder im Garten. Sammy tapste stets hinter
Silja her. |
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Und
die passte gut auf ihr Findelkind auf. |
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Auch
baden am Ufer des Fischteiches genoss Sammy, im Beisein von
Silja, sehr.
Nachdem wir uns kundig gemacht hatten, wie sich Tauben
entwickeln, muss man an dieser Stelle sagen: Sammy war ein
Spätentwickler. Vielleicht wurde sie deshalb verstoßen?!
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Oder
wegen ihres krummen Schnabels, der von Anfang an ihr
Markenzeichen war.
Egal,
zu unserer Familie gehören einfach Tiere und Menschen mit
Handicap.
Sammy
entwickelte sich sehr langsam und wollte einfach nicht
selber fressen. Weder das Katzenfutter, noch Körner, noch
Gräser. Nach sage und schreibe sieben Wochen war es soweit.
Sie fing an zu picken. Zwar nahm sie die Körnchen noch nicht
auf, aber der Ansatz war zu erkennen.
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So
ging die Zeit ins Land und Sammy wuchs zu einer schönen
Taube heran. Damit sie lernen konnte zu flattern und sich an
ihre spätere Umgebung gewöhnte, kam sie tagsüber in unseren
Kaninchenstall. Die obere Hälfte richteten wir ihr ein.
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Mit
einem unserer Kaninchen freundete sie sich an. Manchmal
saßen die beiden dicht nebeneinander und man bekam den
Eindruck, dass sie ein kleines Schwätzchen hielten.
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Doch
eines Tages passierte es:
Silja
war mit ihrer Taube wieder draußen, Sammy erschrak sich vor
irgendetwas und flatterte davon… direkt in ein
Maisfeld hinein!
Wir
haben gerufen und mit der gesamten Familie das Maisfeld
„durchkämmt“. Erfolglos.
Silja
weinte bitterlich und machte sich die größten Vorwürfe. Wir
konnten sie überhaupt nicht trösten. Als es begann dunkel zu
werden, liefen wir noch zu unseren Nachbarn und baten um
Nachricht, sollten sie eine junge orientierungslose Taube
sehen.
Einige sagten sofort ihre Hilfe zu, andere wollten sie
fangen und uns das „Viech“ bratfertig zurückbringen. Dies
brachte unsere Tochter natürlich noch mehr aus der Fassung,
auch wenn diese Leute nur einen „Spaß“ machen wollten.
Eine
Nacht voller Sorgen begann.
Ob
Sammy zurückfinden würde? Hatte eine der vielen hier
lebenden Katzen sie vielleicht schon erwischt? Oder hatte
ein Auto sie überfahren?
So
viele Fragen und keine Antwort. Sammy blieb verschwunden.
Zwei
Tage später, es dämmerte schon, klingelte das Telefon.
„Silja, ich glaube eure Taube ist hier. Erst ist sie ständig
gegen unser Wohnzimmerfenster geflogen und pickte daran und
jetzt hat sie sich in der Hecke verfangen.“ Weiter kam
unsere Nachbarin nicht. Silja ließ einfach den Hörer fallen
und rannte los!
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Endlich hatte sie ihre Sammy wieder! Sie war sehr geschwächt
und zerzaust, aber es war unverkennbar unser Krummschnabel
Sammy.
Diese
Taube schien vom Glück verfolgt zu werden.
Leider konnte sie uns nichts von ihrem Abenteuer erzählen!
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Nach
weiteren zwei Wochen kam der Tag, an dem Silja und Sammy
sich trennen sollten.
Die
Taube war nun soweit. Sie konnte fliegen und fressen. Die
Sonne schien. Der perfekte Tag für einen neuen Start.
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Silja
öffnete die Türe zum Stall und wir warteten, warteten, und
warteten… Sammy ließ sich, wie mit allem, viel Zeit.
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Doch
irgendwann traute sie sich heraus und flog erst einmal zwei
große Runden über unser Grundstück, um anschließend im
Blumenkasten Platz zu nehmen. |
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Vier
Tage kam sie jeden Abend angeflogen, landete auf Siljas Arm
und ließ sich über Nacht in den Stall bringen. Allmählich
wurden ihre Besuche seltener. Wir sahen sie in unserem
Taubenbaum (einer großen Akazie) sitzen. Dort saßen noch
andere junge Tauben. Sie hatte endlich Freunde ihres
gleichen gefunden. So traurig das auf der einen Seite ist,
so glücklich war Silja, dass sie es geschafft hatte, „ihre“
Taube durchzubringen. |
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In
der folgenden Zeit kam Sammy noch regelmäßig, um ihr
Katzenfutter/ Körnergemisch abzuholen. Wenn sie satt war,
verschwand sie sofort wieder. |
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Ab
und an besuchte sie Silja noch. Das war wunderbar für die
beiden. Silja stellte ihr etwas zu Fressen auf den
Schreibtisch und Sammy kam durch das offene Dachfenster ins
Zimmer geflogen. Sie setzte sich auf Siljas Computer und
schaute ihr eine Zeit lang zu, um dann davon zu fliegen. |
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Sogar
heute sehen wir sie noch ab und an. Dann sitzt sie entweder
in einer Tanne gegenüber Siljas Zimmer oder sie schlendert
über unseren Rasen. Es ist schön zu wissen, dass es sie
noch gibt.
Wer
denkt nach dieser Geschichte noch an „Viecher“?!
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